Freitag, 5. September 2008

Starpoträt: Roman Polanski


Das Leben keines anderen Filmregisseurs war so sehr von Schicksalsschlägen und schwarzen Momenten geprägt, wie das des Polen Roman Polanski. Und doch sollte sich der Mann bald zu einem der großartigsten auf seinem Gebiet entwickeln. Am 18. August 1933 in Paris, Frankreich unter dem Namen Rajmund Roman Liebling als der Sohn seiner aus Russland kommenden Mutter Bula Katz-Przedborska und seinem polnischen Vater Ryszard Liebling geboren, erlebte er schon recht schnell die Schattenseiten des deutschen Antisemitismus. So zog die Familie 1934 von ihrer Heimatstadt in Frankreich nach Polen, ferner nach Krakau – dem angeblich sichersten Ort für Juden in Europa. Doch der Schein war nicht ganz so glänzend, wie anfangs gedacht. Mit dem Überfall der Deutschen und der Besetzung Ostpolens durch die Sowjetunion – das war 1939 – überschlugen sich die Ereignisse. Die Familie wurde fortan im Krakauer Ghetto untergebracht und der Vater kam ins Konzentrationslager im oberösterreichischen Mauthausen - was er jedoch überlebte, im Gegensatz zu seiner schwangeren Frau, die im Vernichtungslager Auschwitz als Folge der berüchtigten Vergasung ermordet wurde. Roman überlebte den Angriff und konnte sich in einem Kuhstall eines ortsansässigen, katholischen Bauern mithilfe des Tarnnamens Roman Wilk verstecken. Eine Rettung, für die die gesamten Ersparnisse der Familie draufgegangen sind. Erst nach dem Krieg erfuhr der Junge vom Tode seiner Mutter.

Seinen ersten Job in der Welt der Medien – gegen den Willen seines Vaters wohlgemerkt - bekam Polanski 1946 in Krakau, als er eine Hörspielregisseurin kennen lernte. Daraus ergab sich, dass Roman eine kleine Rolle in einem ihrer Hörspiele spielen durfte. So lange und mit großem Erfolg, bis Studenten der Filmhochschule Lodz auf ihn aumerksam wurden, wo er sich fortan mit kleineren Auftritten in diversen Filmen über Wasser hielt – darunter auch in „Eine Generation“, dem Spielfilmdebüt von Andrzej Wajda, der auch international Beachtung fand. Von nun war ein Studium an der Filmhochschule praktisch nicht mehr abzuwenden, und so machte Roman Polanski seinen Studiums-Abschluss als ausgebildeter Regisseur im Jahre 1959.


Erste Kurzfilme folgten. Bis schließlich nach einer missglückten Ehe mit der angesehenen, jungen Schauspielerin Barbara Kwiatkowska, der erste abendfüllende Spielfilm unter seiner Regie entstand. 1962. Unter dem Titel „Das Messer im Wasser“ („Nóż w wodzie) , einem bei den Kritikern gut angekommenen, in schwarz/weiß-gefilmten Beziehungsdrama mit Anleihen des Psychothrillers, der den Kritikerpreis bei den Filmfestspielen in Venedig gewann, sowie eine Oscarnominierung als Bester fremdländischer Film bekam. Das war zugleich auch der Durchbruch für Polanskis Filmkarriere und ebnete ihm den Weg nach Hollywood. Außerdem beherbergte „Das Messer im Wasser“ für den Regisseur so obligatorische Elemente, die noch in vielen weiteren Filmen von ihm vorkommen werden. Ergo: Eine intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Abhängigkeiten, gegenseitige Anhängigkeiten in Bezug auf Beziehungen und eine psychologisch sehr präszise Charakterzeichnung. Sogesehen ist "Das Messer im Wasser" ein Protoyp mit Polanskis favourisierten narrativen Elementen.


1965 begann mit „Ekel“ („Repulsion“) seine sogenannte „Mieter-Trilogie“ langsam Gestalt anzunehmen, deren Abschluss gleichzeitig auch einer der berühmtesten und stilbildensten des Regisseurs, ja des gesamten Genres wurde: „Rosemary´s Baby“ (1968). Vorher hatte er allerdings noch „Tanz der Vampire“ („The Fearless Vampire Killers“ - 1967) inszeniert. Eine heute schon längst kultige, märchenhafte Vampir-Parodie, welche die gängigen Vampir-Klischees ins Absurde führt, und sie weitaus witziger und interessanter interpretiert. Nicht vergessen sollte an dieser Stelle vor allem Polanskis Darstellungen sein (Bis heute wirkte er als Schauspieler in 35 Filmen mit, darunter in 19 polnischen und in 8 seiner eigenen.), bei denen er sich selbst mimt und gestikuliert, so auch in „Tanz der Vampire“ an der Seite seiner zur Ehefrau avancierten Sharon Tate, die jedoch bald einen tragischen Tod erleiden sollte, oder gar als Hauptfigur in „Der Mieter“ („Le locataire“ - 1976 ), dem Mittelteil der Trilogie.

„Rosemary´s Baby“. Wie schon weiter oben erwähnt, gilt eben jener „Rosemary´s Baby“ mit Mia Farrow in der Titelrolle unlängst als psychadelischer Klassiker. Und doch führte der Film – neben „Chinatown“ (1974) wohl Polanskis bestes Werk – zu einer Tragödie ungeahnten Ausmaßes. Denn unmittelbar nach der Premiere des Streifens, wurde seine damals hochschwangere, zweite Frau Sharon Tate Opfer eines Gewaltverbrechens, ausgelöst durch den Massenmörder Charles Manson und seiner gottlosen Sekte. Sie brachen heimlich in das Haus des mittlerweile hochgelobten Regisseurs ein und töteten auf brutale Art und Weise insgesamt 4 Menschen auf einer Party, Sharon Tate ausgeschlossen. Für Polanski waren die Folgen Schuldgefühle. Schwere Schuldgefühle, wovon er sich aber trotzdem nicht von seiner Arbeit abhielt. Im Gegenteil, mit dem noir-Krimi „Chinatown“ aus dem Jahre 1974 bannte er einen weiteren Meilenstein auf Zelluloid, der für sage und schreibe 11 Oscars nominiert gewesen war, letztlich aber nur einen (Bestes Originaldrehbuch für Robert Towne) mit nach Hause nehmen konnte. Auch in diesem Streifen, eine Art Detektivgeschichte in neuem Gewand, tritt Roman Polanski in einer kurzen Szene auf – einer legendären Szene, in der er Jack Nicholson die Nase bricht.


Doch etwa ein Jahr nach seinem geschätzten „Der Mieter“, genauer gesagt 1977, folgte wohl die dunkelste Stunde in seinem Leben. Es handelte sich dabei um einen Skandal, bei dem der damals 43-Jährige der sexuellen Belästigung bezichtigt wurde – an einem 13 Jahre alten Mädchen namens Samantha Gailey. Nach ihrer Darstellung lockte der unter Drogeneinfluss stehende Starregisseur sie in Jack Nicholsons Haus, flößte ihr eine gehörige Portion Champagner ein, machte zudem noch Oben-ohne-Fotos von ihr und vergewaltigte sie schlussendlich in einem Whirlpool – natürlich gegen den mehrmals verbal-bekundeten Willen des Mädchens. So wurde der Filmemacher der Vergewaltigung unter Benutzung von Drogen, Perversion und Unzucht an einer Minderjährigen angeklagt. Ein Jahr später, nachdem die Hauptanklage aufgrund einer Einigung beider Rechtsanwälte fallen gelassen wurde, gestand Polanski jedoch seine Schuld und floh daraufhin aus der USA nach Europa, um einer drohenden Haftstrafe zu entgehen. In den USA liegt deshalb weiterhin ein gültiger Haftbefehl gegen ihn vor. Der Regisseur lebt bis heute straflos in Frankreich und Polen.

Nach diesem Ereignis, das in aller Munde war und von der Presse ohne Skrupel hochgeschaukelt wurde, folgten sorgsam ausgewählte Filme wie „Tess“ (1979), „Piraten“ („Pirates“ - 1986), „Frantic“ (1988) oder auch „Bitter Moon“ von 1992. Zwischen „Pirates“ und „Bitter Moon“ heiratete er 1989 eine weitere Frau, mit der er die zwei Kinder Morgane und Elvis bekam – die Schauspielerin Emmanuelle Seigner, die von nun an auch als Nebendarstellerin in einigen seiner Filme mitwirken durfte, darunter auch in dem adaptierten Okkult-Thriller „Die Neun Pforten“ mit Johnny Depp („The Ninth Gate“ - 1999), welches nach jahrelanger Abstinenz mal wieder die Hauptthemen des Regisseurs verarbeitete – nämlich Okkultismus, Satanismus und Psychologie.


2003 gewann Roman Polanski mit seinen stolzen 69 Jahren als der älteste Gewinner der Academy (Ein Rekord, der nur 2 Jahre später von Clint Eastwood im Alter von 74 Jahren gebrochen wurde.) nun endlich seinen langersehnten Regie-Oscar. Und zwar für seinen 2002 erschienenen Film „Der Pianist“ („The pianist“), der die Autobiographie des polnisch-jüdischen Klavierspielers Wladyslaw Szpilman (Adrian Brody) erzählt. Doch nicht nur die begehrten Statuen aus Gold, insgesamt 3, konnte der Film abstauben, nein, sondern auch die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes verhalfen dem Kriegs-Drama zu Ruhm und Ehre. Allerdings konnte Polanski den Regie-Oscar aufgrund des immer noch ausstehenden Haftbefehls nicht persönlich in Empfang nehmen, was man von dem Europäischen Filmpreis nicht behaupten kann, denn den bekam der Regisseur 2006 in Warschau verliehen. Nach seinem jüngsten Projekt, der Verfilmung des Kinderbuches von Charles Dickens „Oliver Twist“ (2005) mit (Sir) Ben Kingsley werden mit Sicherheit noch weitere interessante Filme folgen – laut eigenen Aussagen ist er aber mit keinem einzigen seiner Filme vollends zufrieden. Lassen wir diesen trivialen Umstand jedoch einfach bei Seite. Freuen wir uns lieber auf weitere Werke des von mir sehr geschätzten Filmemachers, den ich für einen der besten und vielseitigsten aller Zeiten halte.


Roman Polanski alias Alfred in "Tanz der Vampire" (1967)

Filmzitat der Woche: Tanz der Vampire (1967)




"In jener Nacht auf der Flucht aus den Südkarparten, wusste Professor Abronsius noch nicht, dass er das Böse, das er für immer zu vernichten hofft, mit sich schleppte. Mit seiner Hilfe konnte es sich endlich über die ganze Welt ausbreiten!"

Der namenlose Erzähler in Roman Polanskis "Tanz der Vampire" (1967)

Donnerstag, 4. September 2008

News: Kinostarts - 4.09.2008




--->Wanted (USA 2008 / Action)

--->BerlingSong (D 2007 / Doku)

--->Liebesatoll im Abendrot - Tasogare (Jap. 2008 / Komödie)

--->Und macht Euch die Erde untertan (A 2008 / Doku)

--->Winx Club - Das Geheimnis des verlorenen Königreichs (I 2007 / Fantasy)

--->Wolke 9 (D 2008 / Drama)

Montag, 1. September 2008

Kurzkritik: Mord im Orient Express (1974)



Story:

Der berühmte belgische Detektiv Hercule Poirot ist Passagier im Orient Express, der sich auf dem Weg von Instanbul nach Paris befindet. Irgendwo im Balkan bleibt der Zug jedoch im Schnee stecken und die angespannten Passagiere können leider nur auf baldige Hilfe hoffen. In dieser unglücklichen Situation kommt ein Mord natürlich denkbar ungünstig. Als Poirot in der Nacht nicht schlafen kann, hört er aus dem Nachbarabteil seltsame Geräusche. Am nächsten Morgen wird ein Toter in genau diesem Abteil gefunden – ermordet durch 12 Messerstiche. Es ist also klar, dass der Mörder sich noch im Zug befinden muss. Poirot sieht sich demzufolge gezwungen, seine grauen Zellen zu aktivieren und sich auf eine spannende Mördersuche zu begeben...

Kritik:

„Mord im Orient Express“. Das müsste wohl einer der berühmtesten Romane von Schriftstellerin Agatha Christie sein, die vor allem durch ihre allseits bekannten Krimis zu Weltruhm gelangte. Figuren wie der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot oder die altjüngferliche Miss Marple gehen zudem auf ihr Konto. Das sind ganz speziell gezeichnete Identifikationsfiguren für den Leser, die einen großen Reiz ihrer Romane und Kurzgeschichten ausmachen. „Mord im Orient Express“ entspringt aus der Romanreihe des Hercule Poirot, erschienen 1934 unter dem englischen Titel „Murder on the Orient Express“. Bislang wurde diese typische Mordgeschichte dreimal verfilmt, Sidney Lumets („Serpico“; „Die 12 Geschworenen“) Adaption des Stoffes dürfte dabei wohl die berühmteste sein – nicht nur aufgrund des riesigen Ensembles an Stars und Sternchen auf der Besetzungsliste. Mit eben jenem Film kreiert Lumet – gerade wenn der Zug in einer Schneeidylle stecken bleibt - ein atmosphärisch dichtes Szenario, welches von Schuld und Selbstvorwürfen geprägt ist. Mitfilfe einer Reise in die Vergangenheit, zu einem Verbrechen ganz am Anfang, belässt es Lumet nicht nur dabei, einen handelsüblichen Krimi nach einer Büchervorlage zu illustrieren, im Gegenteil, die Unfähigkeit, vergeben oder vergessen zu können ist es, was eher der Intention des Regisseurs entspricht. Desweiteren wecken hauptsächlich 2 Wörter das Interesse Lumets: Vergangenheit und Gegenwart. Wieweit kann das eine auf dem anderen lasten? Eine Frage, die letztendlich zu einem grausigen Mord führt, und dessen Aufklärung ein großes Maß an akribischer Arbei für Poirot bedeutet – somit also einer seiner schwierigsten Fälle. Eine Arbeit, die auf einer klaustrophobischen, kleinen, abgeschlossenen Welt durch minutenlange Verhöre der Fahrgäste dem Zuschauer näher gebracht wird. Dabei fährt „Mord im Orient Express“ eindeutig auf der Spur eines sich langsam entwickelnden, klassischen, aber dennoch sehr spannenden und raffinierten Krimis, der von Lumet sogar zum Psychothriller ausgeweitet wird. Ruhig und mit viel Gespür für die zu handelnden Personen erzählt. Erst Schritt für Schritt, inklusive so mancher falscher Fährten, offenbart sich einem da die Lösung des Falles, der Zuschauer wird häufig sogar gekonnt hinters Licht geführt, was sich dann in der nächsten Szene wieder relativiert. Eine gewisse Dialoglastigkeit für das Vorranbringen der Story ist dem Streifen ebenfalls nicht abzusprechen. Nichtsdestotrotz verliert „Mord im Orient Express“ durch seine Überlänge an einigen Stellen arg an Fahrt oder auch an Spannung, die Dialoge sind manchmal schon sehr langwierig, um nicht zu sagen, sehr zäh und/oder trocken, und auch das Ende mit dem für Agatha Christie so typischen, diesmal unendlich langen Twist, der alle zuvor Gesehene in den Schatten stellt, beeinhaltet für den Zuschauer eher ein unbefriedigendes Gefühl, was nicht heißen soll, dass das Ende schlecht ist, denn hier gewinnen ausnahmsweise mal nicht die Guten.

Was „Mord im Orient Express“ wirklich zu Gute kommt, sind die ausnahmslos bemerkenswerten Darstellungen der hochgelobten Besetzung. Sei es unter anderem (Sir) Sean Connery („Die Unbestechlichen – The Untouchables“; „The Rock – Fels der Entscheidung“) als taffer Colonel Arbuthnot, Anthony Perkins („Psycho“; „Der Prozess“) als nervöser, stets zittender Hector McQuenn, Lauren Bacall ("Misery"; "Dogville") als ominöse Mrs. Hubbard oder die für den Film oscarprämierte, zugegebenermaßen herausragende Ingrid Bergman („Herbstsonate“; „Berüchtigt“) als Greta Ohlsson: Drehbuchautor Paul Dehn („James Bond 007: Goldfinger“; „Der Spion, der aus der Kälte kam“) ist es gelungen, charakterlich sehr unterschiedliche, aber doch auch sehr interessante Individuuen zu zeichnen, die alle etwas gemeinsam zu haben scheinen, und deren Wege sich in ihrer Konstellation auf verschiedenste Weise miteinander kreuzten. Zweifellos sind diese Personen präzise und glaubhaft skizziert. Denn ohne vernünftige Figuren, würde der Film praktisch nicht funktionieren, sodass dieser Cast mehr als nur die halbe Miete für diesen narrativ anspruchsvollen, einem Kammerspiel-artigen Thriller ist. Und dann wäre da noch dieser Hercule Poirot. Ein belgischer Meister auf seinem Gebiet – dem Lösen von Verbrechen, insbesondere dem Lösen von Mordfällen. Albert Finney ("Simpatico“; „Ocean´s Twelve“) darf sich in diesem Film die Ehre geben, und den Poirot verkörpern. Eine Darstellung, die gegenüber der Romanvorlage wohl sehr authentisch sein soll (Allerdings habe ich das Buch nicht gelesen.), ohne dabei allzu ins ironische abzugleiten. Nein, Finney nimmt es ernst mit seinem Schauspiel. Brillant mimt er den schwarzhaarigen, sehr auf sein äußeres Erscheinungsbild bedachten, eitlen, intelligenten – obwohl seine grauen Zellen nur langsam arbeiten - und mit leicht übertriebenen Verhaltensweisen ausgestatteten Detektiv, der immer mal einen trockenen Scherz auf den Lippen hat. Wenn wir schon dabei sind: Der Humor ist es hauptsächlich, dieser feine, subtile Humor, der „Mord im Orient Express“ zu Gute kommt – „Spricht er Englisch?“ „Nun, eine Art von Englisch. Ich glaube er lernte es an einem Ort namens Chicago.“

Fazit:

Was bleibt, ist ein durchaus amüsanter, gehaltvoller, toll photographierter und ausgeklügelter Krimi-Thriller, der nach strenger antiquiert erscheinender Erzählweise daherkommt, sowie einen erstklassigen Cast und ideenreiche Charakterstudien besitzt. So macht Rätselraten Spaß, wengleich es dem Film doch an speziellen Ecken und Kanten fehlt, um in höhere Sphären aufzusteigen, und zum Klassiker zu mutieren. Kein Reißer, aber der Name Sidney Lumet machts schon.

7/10

Sonntag, 31. August 2008

TV-Tipps vom 1.09. bis zum 7.09.2008



Montag, dem 1.09.2008

Blood Simple – Director´s Cut (23:15 Uhr, Das 4.)

Knallharter noir-Gangster-Thriller der Coens, welches zugleich auch als ihr Regiedebüt gilt. Hab ich noch nicht gesehen, als Coen-Fan aber allemal eine Sichtung wert – denk ich zumindest.

Amores Perros - Von Hunden und Menschen (23:50 Uhr, HR)

„Amores Perros“ markiert den Anfang der „Schicksals-Trilogie“ von Ausnahmetalent Alejandro Gonzáles Iňárritu. Komplex, höcht emotional, unkonventionell und eindringlich ist dieses Episodendrama in der Narration, die aber trotzdem mit so einigen Längen zu kämpfen hat. Bei Leibe keine leichte Kost, und der oftmals angepriesene Vergleich mit „Pulp Fiction“ hinkt – abgesehen von ein paar Parallelen – ziemlich gewaltig, ist Tarantinos Dialog-Ballade doch komplett auf Nonsens getrimmt, was man von „Amores Perros“ ja nun nicht ernsthaft behaupten kann. Bei geeigneteter seelischer Verfassung ist das Ansehen dieses beinah perfekten Streifens rumd um Liebe, Psychoanalyse und Schicksal quasi also Pflicht.

Dienstag, dem 2.09.2008

Kap der Angst (00:20 Uhr, ARD)

Remake des Klassikers „Ein Köder für die Bestie“, bei dem sich nun unter der Regie von Martin Scorsese Robert De Niro, Juliette Lewis, Jessica Lange und Nick Nolte die überzeugende Klinke in die Hand geben. Zugleich ein vielerorts unterschätzter, vielschichtiger und virtuos gefilmter Psychothriller, bei dem der gute alte Marty nicht mit nervenzereißender Spannung, ideenreichen Kniffen und realistischer Gewalt spart – und das zu den düsteren Klängen Bernhard Herrmanns. De Niro (Diesmal reichlich tätowiert.) ist zudem ein Highlight – wie eigentlich immer, wenn er für Scorsese vor der Kamera steht. Empfehlung!

Mittwoch, dem 3.09.2008

Cop Land (20:15 Uhr, Kabel)

Sylvester Stallone als gefordeter Cop in einer achso korrupten Stadt. Kann das funktionieren? Nicht wirklich. Reichlich uninspiriert und trocken – trotz großer Starbesetzung. Durchschnitt, mit Tendenz nach unten. Selbstverständlich auch gekürzt.

Planet der Affen (22:50 Uhr, RTL II)

Der einzige große Schandfleck in Tim Burtons grandioser Filmographie. Absolut enttäuschend - in jeglicher Hinsicht.

Der Schakal (23:05 Uhr, HR)

Ob das Original von Fred Zinnemann („12 Uhr mittags“) besser als das Remake mit Richard Gere und Bruce Willis ist, welches mir nicht so sehr zugesagt hat? Meine konstruktive Antwort beläuft sich auf ein „Mal schauen.“

Donnerstag, dem 4.09.2008

Nicht auflegen! (20:15 Uhr, VOX)

Unter all den höchst interessanten Listen (Ironie!), die das berühmt-berüchtigte US-Magazin „Forbes“ immer wieder Jahr für Jahr rausbringt, findet sich bestimmt auch eine, die sich mit den dümmsten Filmen aller Zeiten beschäftigt, oder? Wenn, dann wäre dieser hirnlose Schund, diese Gurke ohne Wasser, praktisch darunter – aber sowas von. „Nicht auflegen!“ mit Weltstar Colin Farrell, das ist ein auf Hitchcock getrimmter und mehr als nur misslungener Streifen aus dem Abfall, den man nicht in Worte fassen kann. Man muss ihn gesehen haben, um zu begreifen, welchen Rotz man auf Zelluloid bannen kann. Selbst manche Youtube-Videos sehen im Vergleich dazu wie Meisterwerke aus. Glückwunsch für diesen Brechreiz, Mister Schumacher!

Explosiv – Blown Away (21:50 Uhr, VOX)

Hatte ich mal ein kurzes Stück von gesehen. Sonderlich vom Hocker gerissen hat er mich aber auch nicht. Ich bleib lieber bei einem anderen Jeff Bridges-Thriller – nämlich bei „Arlington Road“. Kann man sich aber trotzdem mal anschauen, denk ich zumindest.

Paycheck (22:45 Uhr, ARD)

John Woo und Hollywood ist ja so eine heikle Angelegenheit. Mal klappt es mit den Arbeiten, wie im Falle von „Face/Off – Im Körper des Feindes“, mal nicht, wie in den meisten anderen Streifen. „Paycheck“ gehört eindeutig zu letzterer Sparte. Ein peinliches Desaster, aufs dilettantischste zusammengeschustert, ist das, was der Großmeister des modernen Actionkinos hier abliefert, bei dem einem sich die Nackenhaare geradezu sträuben – und nicht nur das. Kann man sich getrost schenken. Dieser Donnerstag ist ist ja mal wirklich mit wundervollen Filmen gespickt.

Freitag, dem 5.09.2008

Men in Black 2 (20:15 Uhr, Pro 7)

Schwächer als sein Vorgänger, dennoch vergnügliches, astreines Popcornkino. Ist im großen und ganzen zwar recht kurz geraten, auch die Gags sind in Sachen Niveau gehörig nach unten gesunken, trotzdem: Willl Smith und Tommy Lee Jones in diesmal ungedrehter Konstellation machen erheblichen Spaß, wenn sie mit ihrem „Blitzdings“ rumlaufen, und feindliche Aliens aufpüren.

Ghost Ship (22:20 Uhr, RTL II)

Dass, was der Horrorfilm auf offener See richtig macht, ist eigentlich nur sein kongenialer Anfang. Ansonsten sucht man innovative Grusel-Kost leider vergebens, und der Film fungiert somit eher als Einschlaftablette.

Der Pate: Die Saga 1+2 (1:15 Uhr, ARD)

Kann mir nicht vorstellen, dass Coppolas Jahrhundertwerk in dieser seltsamen, diesmal chronologischen Reihenfolge der Teile mit neuen Szenen, im TV funktioniert. Aber seis drum. Die Trilogie kennt inzwischen sowieso schon jeder. Wenn nicht, dann gibt's Ärger von mir.

Samstag, dem 6.09.2008

Signs – Zeichen (20:15 Uhr, Pro 7)

Shyamalans trauriger Abstieg begann mit eben diesem Mystery-Thriller. Subtiler Horror wird da dem Zuschauer vorgegaugelt – und nichts weiter als heiße Luft kann man letztendlich bestaunen. Einen interessanten Ansatzpunkt in der Story sucht man da vergebens. Selbst ein solider Mel Gibson kann da nichts retten. Ne, lass mal.

The Quest (22:10 Uhr, Kabel)

Angenehmer Klopper-Film mit Höhen und Tiefen. Nicht so gut wie „Bloodsport“, trotzdem ganz annehmbar – eben auch durch so manch gelungener Choreographie in den Kämpfen. Zudem Van Dammes erste Regiearbeit. Der Actionfreund kann also durchaus einen Blick riskieren.

The Sixth Sense (22:20 Uhr, Pro 7)

Der hier ist Shyamalans bester und erfolgreichster Film. Eine außergewöhnliche, durchdachte wie subtile Auseinandersetzung mit der menschlichen Sterblichkeit, die vor allem bei erster Sichtung so einiges an Überraschungen bereithält (Ein mehr als nur geniales Ende.). Gleichzeitig auch der Beweis, dass Bruce Willis nicht nur als Terroristen-jagender Actionheld glänzen kann. Wenn „John McClane“ den kleinen Jungen Cole (Haley Joel Osment) therapiert, der tote Menschen sieht, ist das heute immer noch faszinierend und schaurig zugleich. Anschauen!

Psycho (23:40 Uhr, RBB)

Muss ich immer wieder erwähnen. Ganz klar einer der 10 besten Filme aller Zeiten, dieser über alle Maßen herausragender Hitchcock.

Sonntag, dem 7.09.2008

Das Reich der Sonne (20:15 Uhr, Tele 5)

In Shanghai spielender Spielberg-Film, den ich noch nicht gesehen habe. Der Score von Williams gefällt mir aber ausgesprochen gut. Werde ich mir demnach vielleicht mal ansehen.

Bad Boys 2 (22:55 Uhr, Pro 7)

Auch wenn ich jetzt viel Missgunst ernten werde, aber ich finde den wirklich großartig. Die Verfolgungsjagden, Shoot-Outs, Oneliner, Explosionen, der Soundtrack: Alles auf extrem cool getrimmt, und alles verdammt unterhaltsam. Aber Vorsicht: Für Zartbesaitete eher mit weiterer Vorsicht zu genießen. Denn Bays geschmackloser, stümperhafter Sadismus ist unübersehbar – das Einzige, was man „Bad Boys 2“ zum unabdingbaren Vorwurf machen muss - dieser Fortsetzung, die besser ist als sein Vorgänger. Also bitte nicht schlagen. Außerdem gekürzt.

Tipp der Woche: Kap der Angst (Dienstag, 00:20 Uhr, ARD)


Freitag, 29. August 2008

Filmzitat der Woche: Terminator 2 - Tag der Abrechnung (1991)




"Die unbekannte Zukunft rollt auf uns zu. Und zum ersten Mal seh ich ihr mit einem Gefühl der Hoffnung entgegen. Denn wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des Lebens schätzen lernen kann, dann können wir´s vielleicht auch."

Linda Hamilton alias Sarah Connor in James Camerons "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" (1991)

Donnerstag, 28. August 2008

News: Kinostarts - 28.08.2008




--->Grace is Gone (USA 2007 / Drama)

--->Couscous mit Fisch (F 2007 / Drama)

--->Der Boxer 3D - So werden Helden gemacht (Kan. 2007 / Doku)

--->Die Todesreiter von Darfur (USA 2007 / Doku)

--->Finnischer Tango (D 2008 / Komödie)

--->Five Sex Rooms und eine Küche (D 2007 / Doku)

--->Frontalknutschen (USA 2008 / Komödie)

--->Mensch, Dave! (USA 2008 / Komödie)

--->Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe (D 2008 / Komödie)

--->Tage des Zorns (Dän. 2008 / Drama)